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Warum Röntgenbilder in der Kieferorthopädie unverzichtbar sind

28. April 2021

Vor jeder medizinischen Therapie steht eine gründliche Diagnostik. Das gilt auch für mich als Fachzahnärztin für Kieferorthopädie. So wie der Hausarzt den Blutdruck misst oder Blut abnimmt, sind Röntgenaufnahmen der Kiefer Voraussetzung, um eine Diagnose zu stellen und das Wachstum der Kiefer zu beurteilen.

Was gehört zu einer kieferorthopädischen Diagnostik?

Für eine fachzahnärztlich fundierte kieferorthopädische Diagnose benötigt der Kieferorthopäde eine solide Basis. Tragfähige Säulen dieser Basis sind: eine ausführliche Anamnese, die Untersuchung der Kiefer, der Zähne, des Schluckens und der Atmung, die Funktionsdiagnostik der Kiefergelenke, intraorale Scans oder klassische Abdrücke der Zähne, Fotos des Gesichts und der Zähne sowie Röntgenaufnahmen. Fehlt eine dieser Säulen, steht die Therapieempfehlung, die auf dieser Diagnose aufbaut, und damit auch der Erfolg der Behandlung auf wackeligen Füßen. Für eine Therapieplanung nach medizinischen Standards sind Röntgenaufnahmen ein essenzieller Bestandteil einer medizinischen kieferorthopädischen Diagnostik. Durch die Untersuchung der Kiefergelenke soll ausgeschlossen werden, dass eine Funktionsstörung, d.h. eine cranio-mandibuläre Dysfunktion (CMD), vorliegt. 

Standard in der Kieferorthopäde sind sogar zwei Röntgenbilder

Die klassische kieferorthopädische Diagnostik besteht aus zwei Röntgenaufnahmen: einer Übersichtsaufnahme und einer seitlichen Aufnahme der Kiefer. Die Fachausdrücke dafür sind Panoramaschichtaufnahme bzw. Orthopantomogramm (PSA/OPG/OPTG) und Fernröntgenseitenbild (FRS).

Anhand der Übersichtsaufnahme der Kiefer beurteilt der Fachzahnarzt für Kieferorthopädie die Zähne und ihre Zahnwurzeln, die Kiefergelenke, die Nasennebenhöhlen, die allgemeine Beschaffenheit des Knochens und die Position der Zähne im Kiefer. 

Bei Kindern und Jugendlichen sieht der Fachzahnarzt, ob alle bleibenden Zähne einschließlich der Weisheitszähne angelegt sind, wieviel Platz für den Durchbruch der Zähne vorhanden ist und wie weit die Zahnwurzeln schon entwickelt sind. Dadurch kann der Kieferorthopäde zum Beispiel den optimalen Zeitpunkt für den Beginn einer kieferorthopädischen Behandlung bestimmen.

Das Übersichtsröntgenbild gibt aber auch Hinweise auf mögliche Schwierigkeiten bei der Behandlung: fehlende, zusätzliche oder verlagerte Zähne sind zu beachten. Wichtig ist es, insbesondere bei Zweit- oder sogar Drittbehandlungen, Hinweise auf sogenannte Wurzelresorptionen zu identifizieren und Gefahren für die Zahnwurzeln frühzeitig zu erkennen. Auch Füllungen, Kronen, Brücken, Implantate oder Karies lassen sich mit Hilfe des Übersichtsröntgenbildes analysieren. 

OPG: Übersichtsbild in der Panoramaschichtaufnahme, Quelle: intern

Zähne müssen im Knochen gut verankert sein

Überhaupt ist es wichtig zu wissen, wie die Zähne im Knochen verankert sind, wenn sie durch eine kieferorthopädische Behandlung im Knochen bewegt und in eine neue Position verschoben werden sollen. Zähne dürfen nur dann bewegt werden, wenn ausreichend Knochen und ein gesunder Zahnhalteapparat vorhanden sind. Denn auch nach der kieferorthopädischen Therapie sollen die Zähne sicher von Knochen umgeben sein, um einem Rückgang des Zahnfleisches vorzubeugen und einen langfristigen Erhalt der Zähne zu gewährleisten. 

Hierfür greift der Fachzahnarzt auf das zweite Röntgenbild, das sogenannte Fernröntgenseitenbild (FRS) zurück. 

Zweidimensionale Röntgenaufnahme FRS: Kieferposition & mehr , Quelle: intern

Anhand der seitlichen zweidimensionalen Röntgenaufnahme wird vom Fachzahnarzt beurteilt, wie die Kiefer zueinander positioniert sind und wie die Frontzähne - von der Seite aus betrachtet - im Knochen stehen. So kann der Kieferorthopäde einschätzen, wie dick die Knochenschicht um die Schneidezähne herum ist und ableiten, in welche Richtung die Zähne bewegt oder vor allem nicht bewegt werden dürfen. Es muss unbedingt vermieden werden, dass die Zähne in Randbereiche des sicheren Kieferknochens bewegt werden. Andernfalls ist die Gefahr des Zahnfleischrückgangs, der Schädigung des Zahnhalteapparats und im schlimmsten Fall des Verlustes von Zähnen erhöht.

Bei Kindern und Jugendlichen gibt das Fernröntgenseitenbild Auskunft über die Wachstumsrichtung der Kiefer. Dieses Wissen ist entscheidend für die Planung des Therapiezeitpunkts, der Therapieart und die Auswahl der Zahnspangen.

Fachzahnärzte für Kieferorthopädie sind besonders gut ausgestattet

Zahnärzte haben meist nur ein Röntgengerät für Einzelaufnahmen und Übersichtsaufnahmen in der Praxis. Beim Kieferorthopäden ist ein Röntgengerät mit Panorama- und Fernröntgen-Funktion dagegen Standard. Zur Analyse des Fernröntgenseitenbildes stehen dem Fachzahnarzt zahlreiche wissenschaftlich fundierte Auswertungsanalysen zur Verfügung, anhand derer er die genaue Positionierung der Zähne planen und das Wachstum der Kiefer erfassen kann. So können Risiken wie Stabilitätsverlust der Zähne innerhalb des Knochens, unerwünschter Knochenrückgang, Zahnfleischrückgang oder Veränderungen der Zahnwurzeln reduziert und natürlich auch die Schwierigkeit der Behandlung in Bezug auf das Wachstum und den optimalen Behandlungszeitraum eingeschätzt werden.

Welche Röntgen-Untersuchungen gibt es noch?

Einzelzahnaufnahmen oder Bissflügelaufnahmen zeigen Detailinformationen über einzelne Zähne oder Zahngruppen. Sie werden vor allem zur Kariesdiagnostik eingesetzt.

Mit einem speziellen Röntgen der Hand, der sogenannten Handwurzel-Aufnahme, kann der Kieferorthopäde bei Teenagern beurteilen, ob noch ein Restwachstum der Kiefer zu erwarten oder ob das Wachstum bereits abgeschlossen ist. Diese Information ist besonders wichtig für die Festlegung des Zeitpunktes für den Behandlungsbeginn bei Kieferfehlstellungen, die stark vom Wachstum beeinflusst werden.

DVT: Strahlenarme 3D-Diagnostik als Standard-Röntgendiagnostik der Zukunft?

Immer häufiger wird in kieferorthopädischen Praxen ein weiteres innovatives diagnostisches Verfahren eingesetzt. Die digitale (dentale) Volumentomographie (DVT) dient der dreidimensionalen Darstellung der Zähne im Kieferknochen und kommt mit einer vergleichsweise geringen Strahlenbelastung aus. Die Anwendung der DVT ist auf den Kopfbereich beschränkt. Deshalb wird die DVT ausschließlich im Bereich der Zahnmedizin, der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie im HNO-Bereich eingesetzt. Die DVT-Aufnahmetechnik liefert dreidimensionale Aufnahmen, die sich hervorragend zur Lageanalyse von verlagerten Zähnen oder zur digitalen Therapieplanung zum Beispiel bei Asymmetrien eignen. Für die Planung einer Alignertherapie oder computergestützter maßgeschneiderter Bracketsysteme sind sie ideal.

Was ist mit der Strahlenexposition?

In unserer Praxis kommt seit vielen Jahren digitales Röntgen zum Einsatz. Im Vergleich zum analogen Röntgen mit Röntgenfilm ist die Strahlenbelastung des Patienten hier stark reduziert. Ein beliebter Vergleich ist die Strahlenbelastung bei einem Langstreckenflug: bei einem Flug in 10-12 km Höhe beträgt die Strahlenbelastung etwa 5,5 Mikrosievert (µSv) pro Stunde. Dagegen betragen die Werte einer Fernröntgenseitenaufnahme nur 2,3 µSv für konventionelle und 1,1 µSv für digitale Aufnahmen. 

Röntgenbilder gehören zum Standard einer medizinischen Therapieplanung – sonst liegt eine Unterschreitung kieferorthopädischer Standards vor!

Nach der ausführlichen Anamnese und Untersuchung der Kiefer, der Zähne, des Schluckens, der Atmung und der Kiefer-Funktionsdiagnostik sind neben der Anfertigung von intraoralen Scans oder klassischen Abdrücken und Fotos des Gesichts und der Zähne, Röntgenaufnahmen essenzieller Bestandteil einer medizinischen kieferorthopädischen Diagnostik und Therapieplanung durch den Kieferorthopäden. Andernfalls handelt es sich um die Unterschreitung kieferorthopädischer Standards (LG Düsseldorf Urteil vom 14.03.2019, Az.: 34 O 1/19). Im Verlauf der kieferorthopädischen Behandlung und zum Abschluss erfolgen weitere Röntgenaufnahmen zur Kontrolle. 

Röntgen - ein essenzieller Baustein der kieferorthopädischen Diagnostik. Alles zur Sicherheit, für beste Gesundheit und zum Wohle des Patienten!

 

Quellen:

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  • Das Gesundheitsportal medondo.health
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