privat

Hallo, I bims! 1 nicer Anfang vong Sprache her.... FREMDWORTTAG. "lmgtfy...."

20. Mai 2021

Abends frage ich meinen Sohn: "Hast Du unseren neuen Post auf Insta gesehen?" - "Ja." - "Und?!" - "Cringe." 😳 Auf einmal komme ich mir alt vor: up to date 😂 bin ich nicht mehr, was hippe 🙊 Ausdrucksweisen angeht. Der Sprachgebrauch der GenZ verändert sich so schnell, dass man kaum noch hinterher kommt.

Jugendworte sind zunächst erst einmal „Insider“. Die Worte versteht, wer selbst Jugendlicher ist und für wen diese Worte Relevanz haben. Wer weiß, was das aktuelle Top-Jugendwort ist und 'Jugendworte' in seine Texte integriert, spricht noch lange nicht Jugendsprache. #NoFront: Versuchen 'ältere Menschen' - in Augen der GenZ sind das Menschen jenseits der 20 -, Jugendsprache zu benutzen, so wirkt dies auf Jugendliche zumeist einfach nur lächerlich, insbesondere, da die Jugendsprache teilweise äußerst kurzlebig ist und die verwendeten Ausdrücke mit dem nonverbalen Verhalten des Sprechers überhaupt nicht übereinstimmen.

Jugendsprache entwickelt sich ständig weiter. Was die Generation X gerade noch als "cool" oder "geil" bezeichnete, war plötzlich eher "porno" und dann schon wieder "tight" oder "lit". Somit hat jede Generation auch ihre ganz eigene Jugendsprache. Wer sich also bald mal wieder beim Kopfschütteln über das Vokabular der Zoomer ertappt, der erinnere sich am besten an die eigene Jugend, als man noch selbst der Auslöser des Kopfschüttelns der Elterngeneration war.

Digitale Kommunikation. OMG!

Bei der Kommunikation in sozialen Netzwerken siegt die Faulheit. Kürzungen und das Weglassen von Lauten bestimmen den schriftlichen Austausch. Verben sind nur Zeit- und Platzverschwendung. Einzig in Schulaufsätzen sind (oder: waren?) sie noch nützlich, um die Mindestzeichenanzahl zu erfüllen. Artikel sind längst überflüssig – mein Schreibpartner wird schon verstehen, wovon ich spreche. Das gleiche gilt für Possessivpronomen, Demonstrativpronomen und den Genitiv, das schwarze Schaf der deutschen Sprache. Und überhaupt: für was sind diese Satzzeichen gut? Worte werden zweckentfremdet oder mit neuen Bedeutungen belegt. Auch Worte aus anderen Sprachen finden Einzug in den täglichen Sprachgebrauch. Jugendliche zeigen dabei viel Kreativität.

Ob die Sieger der Wahl tatsächlich stark in die Jugendsprache integriert sind?

Abgrenzung nach außen und Einigkeit nach innen.

Die Antwort meines Sohnes lässt mir aber keine Ruhe. Was denn nun dieses "cringe" bedeutet? "Verstehst Du nicht." Da ist er also wieder, dieser unverblümte Hinweis auf bereits Gesagtes: die Worte versteht, wer selbst Jugendlicher ist und für wen diese Worte Relevanz haben. Also hilft nur Google. "Du googlest jetzt nicht wirklich cringe??" - "Doch. Wenn Du es mir nicht erklärst!" "Aber Mama - die Erklärungen im Internet haben doch auch alte Menschen geschrieben. Die verstehen das doch gar nicht!"

Soll so viel heißen wie: über Jugendsprachen können Wissenschaftler ja ruhig schreiben, aber die Darstellung, was Jugendsprache bedeutet, sollten sie doch den Jugendlichen selber überlassen. Die Ressourcen, aus denen Jugendliche schöpfen, entstammen den Medien, die die kommerzialisierten jugendlichen Gruppenstile bedienen. Jugendliches Spiel mit Sprache hat heute weniger die Funktion, Protest auszudrücken. Es ist vielmehr Teil einer durch die Medien geprägten Spaßkultur. Um jugendsprachliche Ausdrücke zu verstehen, wird zudem ein spezifisches kulturelles Wissen benötigt.

Aber eigentlich will ich nur als Denker und Mahner – denn ich denke und mahne – mit meinem erhobenen kleinen Finger darauf aufmerksam machen, dass es vielleicht gar nicht so verkehrt ist, einfach normal zu sprechen und zu schreiben – so wie wir es damals in den 80ern in der Schule gelernt haben. So die bottom line, in etwa.

"Ok, Boomer." - Na, so alt bin ich nun auch wieder nicht!

"Ich hör' es gerne, wenn die Jugend plappert:
 Das Neue klingt. Das Alte klappert." (Goethe)